Auf der Suche nach dem Christkind überm Sternenzelt
Seid umschlungen, Millionen!
Dieser Stuss der ganzen Welt!
Brüder! Überm Sternenzelt
Muss ein Weihnachtmanne wohnen.
(Frei nach Schillers „Ode an die Freude“)
Etwas geht um im Maintal, und es ist noch nicht der Winter. Kälte und eine anmutende kristallene
Natur scheinen ja einen Urinstinkt des Menschen aus seinem langen träumerischen Sommerschlaf
zu wecken. Der „Weihnachtsmarkt“ bringt Plätzchen und Glühwein, Christbäume und Geselligkeit,
Ruhe und Weihnachtslieder. Doch die Majorität kommt dem Schneeballwerfen auf Tore – trotz der
meteorologischen Ungewissheit auf Temperatur und Niederschlag – den Briefmarkensammlern
sowie einer Variation der Erfolgssendung „Wetten, Dass..?“ und nicht zu vergessen den Bürstenund
Haushaltswarenständen, welche einer Pandemie gleich Stadt-, Brücken- und Jahreszeitenfeste
einnehmen, zu.
Ein solches Phänomen kann im eigentlich so christlich geprägten Bayern als Blasphemie gesehen
werden. Der Marktbreiter Weihnachtsmarkt findet auch schon am Samstag, den 26. November,
(der Advent lässt noch auf sich warten!) statt. Wie schön: Sogar der Nikolaus
(ich bitte zwischen dem Heiligen und der Kommerz(witz-)figur, dem Weihnachtsmann, zu
differenzieren) beehrt uns elf Tage früher. Ob er das aus Eigennutz, dem Wochenende zuliebe oder
doch nur aus purer Vergesslichkeit tut, ist mir noch nicht ganz klar. Aber da Laternenumzüge von
Kindergartenkindern (diese sollten am Martinstag, den 11.11, sein) in ihrem Datum auch stark
gebeugt werden, ist das doch ganz normal, oder?
Ein weiteres Rätsel scheint mir die unerklärliche Metamorphose des kleinen
Zimmermannsöhnchens, welches ein Symbol für das weihnachtliche Schenken ist, hin zum alten
Mann mit weißem Bart und purpurroten Kleidern, dessen Popularität auf eine bekannte
Getränkemarke zurückzuführen ist.
Auch wenn ein „Weihnachtsmarkt“, der ja eigentlich ein Adventsmarkt ist, vor dem ersten Advent
eröffnet wird und wenig Erinnerungswürdiges zurücklässt, können wenigstens Flaschensammler
auf nächtlichen Beutefeldzug gehen. So befinden sich die Marktbreiter wenigstens in diesen Tagen
des Jahres ausnahmsweise mit anderen Städten auf der Höhe der Zeit. Lediglich ein Verschieben
von Heiligabend und Weihnachten könnte dieses noch übertreffen.
Alexander Draheim Q 12
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