Sicherheitstag 2009
„Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht." Dieses Zitat von Joachim Ringelnatz ist wohl wahr, hat aber wenig auf einem Fest der Sicherheit zu suchen. Selbst Bildung wird mit Belehrung der Sicherheitsregeln vorgezogen. Beschweren dürfte sich niemand, wo doch immer gesagt wird, Gymnasiasten würden zu wenig „praxisorientiert" unterrichtet werden.
Es fing alles mit einer, nein zwei Klassenleiterstunden an. Unsere Blicke richteten sich zuerst auf den schmucken, in rot eingefassten „Sicherheitsordner", der alle nur erdenkbaren Informationen über Sekuritäten in, an, bei oder auch außerhalb der Schule enthält.
Immer noch tief fasziniert, wurden wir bereits in verschiedene Stationen eingeteilt. Mit den Nummern von eins bis neun blieb jedoch eine große Vorfreude und Ungewissheit, was das Ganze nur spannender machte. Aber nach dieser kurzen, gern gesehenen Unterbrechung, richteten wir unsere Aufmerksamkeit nun endlich auf die wichtigen Dinge im Leben: Was tun wir bei einer Stichflamme aus Mamas Lieblingspfanne heraus, wenn wir Tim Mälzers Flambierkünste einfach mal selbst ausprobieren wollen? Erstaunliche Antworten überraschten uns und stellten unsere Vorstellung von Sicherheit gänzlich auf den Kopf. Ein Unwissender aus unseren Reihen hat doch tatsächlich den Vorschlag in den Raum geworfen, das lodernde Küchenstück schlichtweg schnell aus dem Fenster zu werfen. Die Begründung, Feuer würde ja Sauerstoff zum Brennen benötigen, wollte uns zwar nicht auf Anhieb einleuchten, aber dennoch: Hinterher ist man ja immer schlauer.
Gravierend, so mussten wir feststellen, waren unsere Lücken, tief saß der Schock und dennoch raffte man sich auf, man wollte etwas lernen, etwas fürs Leben. Den Stoff lernen, aus dem Helden gemacht werden. So konnten wir uns in vielerlei Hinsicht fast nicht mehr auf den Stühlen halten, als uns eine Lebensweisheit und ein Meisterstück der Logik aufgetischt wurden: „Lehrer müssen die Grundregeln der Erste-Hilfe beherrschen, da in Erste-Hilfe-Situationen erste Maßnahmen durchgeführt werden müssen." Bei so viel Wissen, welches wir uns bereits angeeignet hatten, musste unbedingt etwas Zweites folgen. Und das ließ nicht lange auf sich warten: Erschreckend und zugleich ungemein amüsant war es zu erfahren, wie man denn mit Schülern oder auch Lehrern umzugehen hat, welche sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen wie panikartigen klaustrophobischen Angstzuständen nicht trauen die Feuerleiter hinunterzuklettern. Auf Vorschlag unserer Lehrkraft, dieser Situation mit einer gesunden Portion körperlicher Gewalt in Form einer Schelle gegenüber zu treten, folgte der radikalere Ausruf inmitten des gemeinen Klassenverbandes, den Betroffenen bewusstlos zu schlagen und ihn auf dem Rücken tragend gen Erdboden zu befördern. Nach kurzem gekünstelten Gelächter wurde uns nun die Aufteilung des Schulgeländes näher gebracht. Interessant war Sektor F, welcher alle Fachräume inklusive WC umfasst, aber auch Toiletten haben nicht unerhebliche fachrelevante Aufgaben zu erfüllen. Wo wir gerade bei meinem Lieblingsbuchstaben sind: Es gibt neuerdings eine neue Brandklasse mit Namen F. Darunter versteht man Brände von Ölen und Fetten. Diese Art von Brand wurde wahrscheinlich aufgrund ihrer Neuheit wohl erst vor ein paar Jahren entdeckt oder zumindest in die Liste mit aufgenommen, der schnellen und notwendigen Bürokratie sei Dank! Eine bekannte Automarke, deren Fahrer oft für rüde Anschuldigungen für die Unfähigkeit von Automobilnutzern an sich herhalten müssen, ist noch langsamer. Die neue F-Klasse ist noch in Arbeit, Sonderausfertigung für die örtlichen Feuerwehren. Nach diesem kleinen Exkurs begaben wir uns erneut auf die Reise zu unergründlichen Weiten, Abgründen und Höhenflügen der Sicherheit. Im Prinzip gibt es nicht mehr viel zu erzählen, die Doppelstunde neigt sich ohnehin schon dem Ende zu. Das Thema, was tun, wenn der Ernstfall eintritt, ließ sich im Verlauf mit der klaren und unmissverständlichen Aussage beantworten, „man dürfe nur dann löschen, wenn es auch angeordnet ist." In diesen Momenten kann man wirklich über deutsche Sicherheitsakribie froh sein, nein, man kann sogar stolz darauf sein. In anderen Ländern würde ein Feuer schlicht gelöscht werden, wenn es in der Macht eines jeden Menschen liegt. Aber hier in unserem Mutterland setzt man sich schon ausführlicher mit diesen heiklen und unspontanen Fragen auseinander.
Nun war es endlich soweit. Nach einer kurzen Pause, eingedeckt mit Kuchen und stets unklar über den weiteren Verlauf, machten wir uns auf zu unseren jeweiligen Stationen. Dabei reichte die Auswahl von Vorträgen des Roten Kreuzes über Feuerlöschergebrauchsanweisungen bis hin zu den freiwilligen und beruflichen Feuerwehren, welche ihre verschiedenen Einsatzgebiete äußerst authentisch und teils unterhaltsam demonstrierten. So konnte unser lokaler Inlandskorrespodent Sven Alsheimer einen Blick in die geheimen Künste der alltäglichen Fertigkeiten freiwilliger Profifeuerwehr-männer wie Daniel Oppelt erhaschen. Alles in allem muss man dann ein klares Resume ziehen: Wir haben interessante Einblicke in eine uns vorher völlig fremde Welt bekommen. Manche hat dieser Tag verändert, manche vollkommen kalt gelassen. Dennoch muss man fairerweise dazusagen, dass eine allgemeine Sicherheitsbelehrung dringend nötig war. Denn auch in unserer modernen und absolut feuerfesten Schule kann das Undenkbare möglich werden, doch sagte einst ein noch heute berühmter Mann namens Aristoteles: „Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave."
Felix Tremmel
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Fotos: Felix Tremmel








































































