Pablo und Nibú
1.Kapitel - Einleitung
Es war eine stürmische Nacht, die Besatzung war müde und wollte an dem kleinen Strand, der
noch ungefähr drei Meilen vor ihnen lag, ankern, doch ihr Kapitän brüllte gegen den Wind:
"Ihr widerlichen Meuterer! Wir segeln verdammt weiter, bis wir daheim sind, und wenn´s Wochen
oder gar Monate dauert, klar?!"
"Hm…" murrte die Besatzung müde. Sie hätten am liebsten eine Meuterei angezettelt, doch sie
blieben Vernünftig. Es hieß dass ihr Kapitän mit bösen Machten zu tun hatte, dank seiner 'lieben'
Mutter, eine schwarze Hexe.
Plötzlich erschütterte ein Schlag das Schiff und jemand schrie:
"Käpt´n wir haben einen Felsen gerammt."
Panik machte sich an Bord breit. Durch das große Leck strömte Wasser in das Boot, sodass sie
langsam kenterten.
Sogar der Kapitän hatte Angst, was er sich aber selbstverständlich nicht anmerken ließ. Seine
Mannschaft versuchte das Loch abzudecken, doch vergeblich. Gott sei Dank klang nun der Sturm
ab. Allerdings war die Lage ernst, der nächste Strand war kaum zu sehen, ein schmaler weißer
Streifen am Horizont, und ihr Schiff sank immer tiefer.
Er raufte sich die Haare und musste mit ansehen wie sein Schatz, den er in den letzten Wochen so
mühsam gesammelt hatte, auf den Grund des Meeres sank. Womöglich würde ihn jemand anderes
finden und dann behaupten es sei sein Schatz. Doch das brachte ihn auf eine Idee und er lachte als
er rief:
"Wenn er nicht mir gehören soll, dann keinem!"
Und mit diesen Worten nahm er seinen Säbel und ritzte sich in die Haut. Nachdem das Blut
erfolgreich einige Haie angelockt hatte stieß der stolze Pirat nun einen Fluch aus, der die Haie und
ihre Nachkommen dazu zwang seinen Schatz zu bewachen… Für immer!
An diesem Tag konnte sich kein Pirat retten und alle ertranken.
Doch der Kapitän und seine Mannschaft wurden nie gefunden…
2. Kapitel - Eine seltsam schöne Begegnung
Auf einer Karibischen Insel war ein kleines, aber schönes Dorf, dort lebte ein kleiner Junge namens
Pablo. Er wohnte in einer mehr oder weniger stabilen Hütte, die ein wenig abseits vom Dorf war,
da sein Großvater gerne Ruhe hatte.
Eines Tages geschah es, das er, beim Muschelsuchen einen jungen Delfin fand, der seine
Schwanzflosse in einem alten Fischernetz verfangen hatte.
"Oh, du Armer!", sagte Pablo mitleidig "Ich muss dir da raushelfen!" Da sah er einen Stein, der war
ganz schön spitz. Und da das Fischernetz alt, und nicht mehr so fest war, gelang es ihm nach
wenigen Minuten den Delfin zu befreien, der Pablo dankbar anschaute, bevor er im Meer
verschwand.
Sehnsüchtig sah Pablo ihm hinterher. Er durfte nicht schwimmen, jedenfalls nicht bevor er nicht
die Muscheln eingesammelt hatte, die in seinem Dorf als Nahrungsmittel dienten. "Ich glaube",
murmelte Pablo, der immer noch nicht glauben konnte, das er wirklich einen Delfin gerettet hatte
"dass ich dich Nibú nenne, kleiner Delfin!" In Gedanken war er bei ihm, seinem Nibú, dadurch
passte er nicht auf und schnitt sich öfters an den scharfen Rändern der Muscheln, sodass er, als er
daheim ankam an den Händen voller Blut war. Da schimpfte sein Großvater: "Was soll das Pablo?
Wieso kommst du so spät, außerdem blutest du an den Händen. Hast du dich wieder
geschnitten?" "Ja, Opa, Verzeihung. Weißt du, ich habe heute einem Delfin geholfen, der hatte sich
verheddert, und ich hab ihn Nibú genannt! Und, und… Ja, das war alles. Deshalb hab ich halt nicht
aufgepasst." erzählte Pablo.
"Hoho!", Lachte sein Großvater, der jetzt nicht mehr sauer war "Dann willst du heute wohl mit zum
fischen was?"
"Jaa, bitte!" bettelte Pablo.
"Ich stör auch nicht!" Fügte er nach kurzem Nachdenken hinzu.
"Ach, Pablito, warum denn eigentlich nicht?"
"Jaaaaaaaa!", jubelte der kleine Junge "Vielleicht sehen wir Nibú!"
Das bezweifelte der Großvater, sagte aber nichts und schickte Pablo raus in den Garten, bis das
Essen fertig war. Doch er war zu aufgeregt, und auch nach dem Essen konnte der kleine Pablo
kaum stillsitzen, so aufgeregt war er.
3. Kapitel - Fischen und Baden
"Wann geht's los? Wann, wann, wann?"
"Bald, sobald ich fertig bin." seufzte der Opa. Er hasste Ungeduld, fand es aber verständlich das
sein Enkel so aufgeregt war. Er selbst wäre nicht minder aufgeregt gewesen, zu seiner Zeit. Als er
jung war und selber Muscheln sammeln musste. Doch das war schon ziemlich lang her.
"Ich bin fertig!" rief Pablos Großvater aus dem Fenster, da Pablo wieder in den Garten gegangen
war.
"ENDLICH! Los Opa, los, los, los!!!" quengelte Pablo.
"Ja doch, Pablito!"
Am Strand trafen sie sich mit den anderen Fischern des Dorfes, die sich auf die drei Fischerboote
verteilten und nach zirka 10 Minuten Vorbereitung endlich losruderten. Pablo war übrigens nicht
das einzige Kind im Boot. Jose hatte seinen Vater dazu überreden können ihn auch mitzunehmen.
Er war ziemlich gut mit Pablo befreundet und konnte die Geschichte mit Nibú kaum glauben.
"Was? Echt?" fragte er erstaunt.
"Ja!" versicherte Pablo, erfreut über die Reaktion.
"Wie schön für dich, Pablo." Zwar war Jose etwas eifersüchtig, doch er wollte seinem Freund nicht
die Freude verderben. Immerhin war er ja einige Jahre älter und musste auf die Kleineren Acht
geben.
"Pablo, ich will dir ja keine Hoffnungen machen, aber da vorne haben wir einige Delfine gesichtet."
teilte ihm einer der Fischer mit.
"WO?" fragte Pablo, und als er sie sah, sprang er ohne zu überlegen ins Wasser. Es war kalt, sie
waren auch auf offener See, aber Pablo spürte es kaum, er wollte einfach nur zu Nibú. Er hörte
nicht einmal seinen Großvater schimpfen, so sehr wollte er zu seinem Delfin. Und plötzlich, zur
Überraschung Aller, verließ ein Delfin die Anderen und schwamm direkt auf Pablo zu.
"Nibú…" hauchte der Junge, und der Delfin schnatterte in freundlich an.
"Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft" dachte der Opa bei sich.
4. Kapitel - Mika
"Gute Nacht, Pablito!" wünschte ihm der Großvater als er schon im Bett saß. "Gute Nacht, Opi!
Sagte Pablo und musste gleich darauf Husten.
"Siehst du! Das kommt davon wenn man so früh im Jahr ins Wasser springt.", tadelte ihn sein Opa
"Jetzt schlaf und werd gesund! In zwei Tagen ist ein besonderes Fest!"
"Ja, Opi." Und mit den Gedanken an das Fest, von dem sein Opa gerade geredet hatte, schlief er
auch ein, und träumte von Nibú.
"Hach, was für ein schöner Sonnenaufgang!" stellte Pablo fest,
Der soeben von Vogelgesang geweckt worden war.
"Oh, Morgen ist ja schon das Dorffest!" bemerkte er erfreut. Er und die anderen Kinder, mussten
bei diesen besonderen Anlässen immer Blumen, Früchte oder ähnliche Dekoration sammeln. Er
hatte sich mit Jose und Mika verabredet, vor zwei oder drei Tagen und Jose hatte ihn gestern,
nachdem sie wieder zurück vom fischen gekommen waren, noch mal dran erinnert. Mika, das war
die Tochter des Häuptlings, und somit war sie sehr wichtig, denn der Häuptling war das
Machtoberhaupt. Schnell zog sich Pablo an, den er wollte Mika nicht warten lassen. Er fand sie
sehr hübsch und auch sehr nett, aber leider war sie älter und sogar größer als er, und das war ihm
peinlich.
"Du bist spät dran, Pablo." begrüßte ihn Jose mürrisch.
"Oh, dabei hab ich mich beeilt." murmelte Pablo niedergeschlagen.
"Ich hab dir gesagt: 'Und Pablo, komm morgen kurz nachdem die Sonne aufgeht!' Na ja, Mika ist
auch noch nicht da… Ich fürchte ich hab wohl eine sehr kurze Vorstellung von kurz."
Er lachte.
"Oh, da kommt Mika." stellte Pablo, höchst erfreut, fest.
"Hallo, Jungs!" begrüßte sie Mika und ihre kokosnussbraunen Augen glänzten in der Sonne.
"Hallo, Mika." erwiderte Jose betont lässig. Pablo glaubte, dass auch er ein Auge auf das schöne
Mädchen geworfen hatte, denn er benahm sich immer so komisch wenn sie in der Nähe war.
"Also…", begann Mika gedehnt. "Wir brauchen: Vierzig dekorative Blumen, dann so viele Muscheln,
Seeigel und schöne Steine wie wir zusammen bekommen. Ich sage vor, wir gehen zuerst die
Blumen holen, und dann machen wir ein, zwei Rundgänge am Strand entlang. Ich habe schon die
Körbe geholt."
"Wow!" War das einigste was die beiden Jungs dazu sagen konnten. Mika war immer so. TipTop
vorbereitet, manchmal besser als die Erwachsenen, plante sie alles vor und verblüffte jeden. Kein
wunder das viele Jungs aus dem Dorf verrückt nach ihr waren.
"So, also los!" rief Mika mit der typischen Motivation die sie
immer hatte.
5. Kapitel - kurzer Streit
"Uff, endlich haben wir vierzig Blumen zusammen." freute sich Mika.
"Ja, aber wieso mussten alle gleich sein?
Gerade diese sind schwer zu finden." klagte Jose.
"Also wir gehen jetzt zum Strand, oder?" fragte Pablo schüchtern.
"Klar, Kleiner ."
"Hey, nenn mich nicht so! du bist auch nicht gerade viel größer!" regte sich Pablo auf. Er hasste es,
wenn Jose ihn so nannte.
"Äh, Leute, wir sollten zum Strand." schlichtete Mika den streit. "Außerdem sind wir doch alle
freunde."
"Freunde?" fragte Jose spöttisch. "Ich und der Zwerg… Freunde?! Also ich geh!"
"Jose, warte!"
Mika rannte ihm hinterher, den kleinen Pablo alleine lassend. Er starrte Mika an. wieso folgte sie so
einem Macho wie Jose. Er war sehr traurig und fühlte sich von aller Welt verlassen, bis ihm Nibú
einfiel.
"Ich könnte ja schauen, wie es ihm geht." dachte er freudig, denn der Gedanke an den kleinen
Delfin tröstete ihn.
Der Strand war ganz schön voll. Gruppen von Kindern, die hofften die schönsten Dinge für das
morgige Fest zu finden, lungerten dort rum, und versuchten sich gegenseitig die besten Stücke zu
klauen.
"Hoffentlich hat Nibú keine Angst, denn die Anderen machen ganz schön viel Lärm." dachte Pablo
bei sich und sah in Richtung Meer, wo er leider keine Delfine entdecken konnte. Also setzte er sich
irgendwo hin und war völlig entmutig. Er schaute auf die eifrigen Kindern, entdeckte unter ihnen
später sogar Mika und Jose. Sie lachten. Über ihn? Da er die antwort nicht kannte blieb er lieber
weg. Doch da sah ihn Mika, die ihm freundlich zuwinkte und auf ihn zulief.
"Hey, Pablo.", rief sie schon von weitem "Wo warst du? Jose und ich haben dich gesucht."
Sie hatten ihn gesucht… er hatte also dort warten sollen.
"Ich, ich dachte du wärst sauer auf mich weil du dann weggegangen bist, und…" erklärte Pablo,
doch Jose, der sich auch dazugesellt hatte, meinte:
"Also eigentlich wollte sie das ich mich bei dir entschuldige, und das tue ich auch, denn du bist ein
guter Freund, trotz deiner geringen Körperhöhe."
"D-danke…" stotterte Pablo erfreut, und war einfach glücklich so gute Freunde zu haben.
"Ok, uns fehlt noch ein Korb, dann haben wir genug geleistet." Stellte Mika fest, nachdem Pablo
und Jose sich umarmt hatten.
"Gut, gehen wir!" sagte Jose. Und so verging der Tag, leider ohne das sie was spezielles gefunden
hätten.
6. Kapitel - Ein sagenhafter Fund
Doch als die Sonne allmählich anfing untergehen und dem Strand eine besondere Aura gab, da
kam er angebraust, laut schnatternd und wagemutige Sprünge vollführend.
"Nibú…? Ja, es ist Nibú!!!" Pablo war ganz außer Puste, vom Schreien und Rennen. Ja, da war er,
sein geliebter Delfin. Und, ohne groß zu überlegen, sprang Pablo einfach ins Wasser, das, in der
Nähe des Ufers, auch am Abend angenehm warm war.
"Wer ist Nibú?" fragte Mika verwundert.
"Na ja, der Kleine hat sich halt mit so einem Delfin angefreundet und ihn 'Nibú' genannt." erklärte
Jose gelangweilt
"Wie süß!" rief sie begeistert aus. Jose nickte kaum merklich und betrachtete Pablo, der mit dem
Delfin plantschte.
"Also, Nibú!" schimpfte Pablo im Spaß, da der Delfin ihn nass gespritzt hatte. Jetzt näherte sich
auch Mika, um den Delfin aus der Nähe zu betrachten.
"Huch!" erschrak sie, als der Delfin auch sie vollspritzte, allerdings eher unabsichtlich. Und als auch
noch Jose dazukam, da entstand ein lustiges Spiel zwischen den Vieren. Aber als es nach und nach
dunkler wurde, da mussten Mika und Jose gehen, und Pablo eigentlich auch, aber er wollte die
letzten Minuten, bevor es ganz und gar dunkel wurde, mit Nibú verbringen.
"Weißt du, Nibú, morgen ist unser Dorffest. Es wird alle zwei Jahre gefeiert. Wir Kinder, machen
daraus eine art Wettbewerb, wer den schönsten Gegenstand mitbringt hat gewonnen, es gibt
keinen richtigen Preis, aber es macht Spaß."
Nun, da es vollkommen dunkel war, konnte man die Sterne erkennen. Sie waren so schön, so
glänzend.
"Stell dir vor, ich bringe morgen einen Stern mit." sagte Pablo verträumt. "Er glänzt so sehr, das ich
bestimmt gewinnen würde." Pablo wollte eigentlich noch mehr erzählen, doch plötzlich
schnatterte Nibú laut auf, sprang aus dem Wasser und drehte sich um.
Und bevor Pablo verstand was los war, da war der Delfin schon weg. "Nibú!" rief Pablo so laut er
konnte, aber der Delfin kam nicht. Pablo dachte nach. Was hatte er falsch gemacht? Das letzte was
er gesagt hatte war, dass er einen Stern wollte. Nein, er hatte danach noch gesagt, das er dann
bestimmt gewinnen würde. Sicher dachte Nibú, das es ihm nur ums gewinnen ging. Er verließ das
Wasser, da ihm inzwischen kalt war, und setzte sich in den Sand, da er nicht nach Hause gehen
wollte. Lange saß er so da, überlegte ob Nibú deshalb weggegangen war. Dabei schaute er die
ganze Zeit auf den Mond und auf die Sterne. So entging es ihm, das sich ein kleiner, grauer Punkt
näherte. Er wurde immer größer, sprang ab und zu aus dem Wasser, und entpuppte sich als Nibú.
Erst als er ihn hörte, bemerkte Pablo ihn, und seine Freude war kaum zu beschreiben.
"Was war los Nibú?" fragte Pablo, der sich dieses mal nicht sofort ins Wasser stürzte. Der Delfin
kam so nah ans Ufer wie er sich traute, und spuckte etwas aus seinem Maul.
"Was ist das?" wendete sich Pablo an Nibú. Der Delfin schien aufgeregt zu sein. Als Pablo den
Gegenstand aus der Nähe betrachtete, blieb ihm fast die Spucke weg.
Es war ein Diadem, und tatsächlich, die von Diamanten besetzte Mitte schien wie ein Stern zu
funkeln als der Mond sich darin spiegelte.
"Nibú, hast du das für mich geholt?" fragte er fassungslos. Der Delfin schien mit den Augen zu
bejahen, oder kam ihm das nur so vor?
7. Kapitel - Was meint Opa?
"Oh, Nibú!" rief Pablo erfreut aus "So werde ich morgen bestimmt gewinnen, äh, aber denk jetzt
nicht, dass es mir nur ums gewinnen geht."
`Was wird Opi staunen dachte er fröhlich vor sich hin.
Dass er eben einen Schatz von unglaublich hohen Wert in den Händen hielt, wäre für ihn
undenkbar gewesen.
Das Einzigste was er seltsam fand, war das Gewicht, des kleinen Gegenstands, da es ja aus purem
Gold war. Nachdem Pablo sich von dem Delfin verabschiedet hatte, überlegte er kurz wie spät es
sein könnte, oder, was noch schlimmer war, wie viel Ärger er bekommen würde. Eigentlich hatte er
vorgehabt, seinem Großvater von dem Fund nicht zu berichten, damit alles noch überraschender
wirkte. Aber wenn er es recht bedenkte, Sein Opa würde nichts verraten, außerdem wäre er zu
erstaunt um zu schimpfen.
Wie erwartet fragte sein Opa sofort wo er gewesen war, was ja auch verständlich war, Pablo sollte
nämlich immer bevor es dunkel wurde Heim kommen.
"Also, Pablo, du sollst doch" fing er verärgert an, doch der kleine Junge unterbrach ihn hektisch.
"Warte Opi, bevor du weiterschimpfst, sieh dir das an!" Und mit diesen Worten kramte er das
Schmuckstück das er in seinem Stoffrucksack verstaut hatte raus.
Die Reaktion seines Großvaters war sogar noch besser, als er sich vorgestellt hatte. Sein Opa bekam
sogar einen Hustenanfall, weil er sich verschluckt hatte.
"Pablo, sag mir, Kind, wo hast du das her?" fragte er mit heisere Stimme.
"Wieso?" fragte Pablo, plötzlich besorgt. Vielleicht dachte sein Großvater ja dass er das gestohlen
hatte.
"Ich hab's nicht gestohlen!" sagte er, dabei klang seine Stimme empörter als er gewollt hatte.
"Jetzt sag erst wo du es her hast!" erwiderte sein Opa, sichtlich genervt, aber trotzdem noch
atemlos.
"Also, ich war…"
"Machs nicht so spannend!" rief sein Opa.
"Ja-haa!" quengelte Pablo, jetzt hatte er wirklich Lust zu erzählen.
"Weiter geht's. So, also ich war am Strand. Gut, da traf ich Nibú."
"Was, schon wieder dieser Delfin?"
"Ja, mensch, Opa, du nervst!"
"Ist das die art mit der du ältere respektvolle Menschen behandelst?" fragte sein Opa, natürlich
nur im Scherz, denn er lachte. Er war nicht so streng wie andere Großväter aus dem Dorf.
"Gut", sagte Pablo. "Also, sehr geehrter Herr Großvater, bitte unterbrechen Sie mich nicht während
ich rede, herzlichsten Dank." sagte er mit spöttischem Unterton.
"So höflich auch wieder nicht, Pablito."
"Ja, also ich habe Nibú gesagt, es wäre schön einen Stern zu haben, die glänzen soo schön! Und da
ist er weggegangen,
Ok, besser gesagt geschwommen. Und als er zurückkam, da hatte er das im Mund. Wirklich, kein
Wort gelogen! Er ist eben sehr schlau, ja, so ein Delfin ist eben sehr klug!" und Pablo versicherte es
seinem Opa so oft, bis er nicht mehr so skeptisch guckte.
"Gut, also, wenn es der Delfin gebracht hat, dann habe ich einen, nicht sehr überzeugenden
Verdacht, aber… Nein! Obwohl…"
"Was meinst du, Opi?" Fragte Pablo.
"Nichts, ich irre mich wahrscheinlich, aber… Ach, ich erzähle es dir morgen, jetzt schlaf!"
"Aber…" versuchte der Kleine es nochmals, doch sein Opa schüttelte nur stumm den Kopf.
"Gut,", gab Pablo, nach einigen Versuchen nach.
"Aber dann gleich morgen früh, bevor wir zum Fest gehen."
Und nach dem Abendessen, das aus einer kleinen Auswahl typischer Früchte bestand, ging der
kleine Pablo ins Bett.
Zuerst wollte er das Diadem unter seinem Bett verstecken, doch dann überlegte er es sich besser
und vertraute es seinem Großvater an.
Pablo konnte kaum einschlafen, denn er war sehr aufgeregt und stellte sich vor, wie sehr seine
Freunde, insbesondere Mika, erstaunt sein würden.
Doch in diese schönen Fantasien mischte sich nach einer Weile ein tiefer Schlaf ein.
8. Kapitel - Die Geschichte von 'Michael el Loco'
Als die Sonne munter durch das kleine Fenster schien da konnte Pablo gar nicht schnell genug aus
dem Bett rasen.
"Opa, Opa! Was war jetzt deine Vermutung?" fragte er fröhlich, der Tag heute war aber auch zu
schön.
"Hoffentlich träume ich nicht!" sagte er zu sich selbst.
"Guten Morgen, Pablo." grüßte sein Großvater, der schon früh aufgestanden war.
"Nun, bist du bereit?", fing er an
"also, unterbrich mich aber nicht, ja? Gut, es gab einmal eine Legende über einen Piraten, der war
sehr gefürchtet, sogar unter seiner Mannschaft. Man munkelte er könne zaubern, er hieß Michael
el Loco. Und den Namen hatte er nicht umsonst, man konnte ihm nicht trauen, und, wenn es
darauf ankam, da konnte er sogar wehrlose Zivilisten töten."
"Was?!" Pablo war entsetzt, doch sein Großvater fuhr unbeirrt fort: "Seine Haare waren rot, wie
die seiner Mutter.
Sie war eine Hexe die auf dem Scheiterhaufen landete als er kaum erwachsen war. Nach ihrem Tod
war er so entsetzt und von jedem wegen seines wildem Charakter unbeliebt, sodass er beschloss in
der nächsten größeren Stadt sein Glück zu versuchen. Zu seiner Zeit, einer Epoche großer
Entdeckungen und Schifffahrten, war das Einfachste als Schiffsjunge anzuheuern. Außerdem
entsprach das seinen Plänen ein Schiff zu kapern und ein Seeräuber zu werden. Er brauchte einige
Jahre um das Vertrauen des Kapitäns für sich zu gewinnen und das Interesse an der Piraterie in der
Mannschaft zu wecken, natürlich heimlich. Dabei wendete er angeblich einige Tricks an, die ihm
seine Mutter vor ihrer Hinrichtung beibrachte. Eines Nachts brachte er wie üblich das Essen in die
Kajüte des Kapitäns. Dieser war erfreut einen solch fleißigen jungen Burschen zu sehen und hatte
wie immer ein paar warme Worte für ihn übrig, doch dieses Mal waren es seine letzten."
Pablo hörte immer noch gebannt zu.
"Ja, er war ein sehr heimtückischer Mensch. Nach dem Mord übernahm er das Kommando und
Verbündete des Kapitäns wurden einfach über Bord geworfen. Nach einigen Jahren voller blutiger
Gefechte an den damals neuen spanischen Kolonien in Amerika, bei denen er kaum zu Schaden
kam, war er auf seinem besten Raubzug, und hatte so viel Gold, das kannst du dir kaum vorstellen.
Doch er wurde zu übermütig, viel zu übermütig. Er trank viel Rum, Alkohol, feierte sogar kleine
Feste auf dem Schiff und lachte über die Dummheit der Überfallenen.
Tja, da geschah das Unglück. Was genau passiert ist, das weiß ich nicht, ich habe es nie gewusst.
Auf jeden Fall sank ihr Schiff, und die gesamte Besatzung, inklusive des neuen Kapitäns,
verschwand in den Tiefen des Meeres."
"Und niemand hat den Schatz gefunden?" fragte Pablo verwundert. "Na ja, viele haben es
versucht, aber ihr Schicksal war schrecklich… Denn das Riff in dem man den Schatz vermutet soll
von besonders aggressiven Haien verseucht sein. Deshalb munkelt man dieser Michael habe sie
mit einem Fluch belegt. Tja, scheint so, als wäre dein Delfin so klug gewesen und die Haie
ausgetrickst habe."
und mit diesen Worten beendete er die Geschichte die Pablo sehr fasziniert hatte.
"Na ja… ähm, Opi? Bekomm ich bitte das Diadem zurück?"
"Sicher doch, es gehört ja dir." erwiderte sein Großvater und kramte das goldene Schmuckstück
raus.
"Und damit gewinnst du den kleinen Wettstreit, nicht wahr?" sagte sein Opa, voller Stolz.
"Ja, das hoffe ich." antwortete Pablo und grinste bei dem Gedanken.
Amanda Borisov