Pablo und Nibú
1.Kapitel - Einleitung
Es war eine stürmische Nacht, die Besatzung war müde und wollte an dem kleinen Strand, der
noch ungefähr drei Meilen vor ihnen lag, ankern, doch ihr Kapitän brüllte gegen den Wind:
"Ihr widerlichen Meuterer! Wir segeln verdammt weiter, bis wir daheim sind, und wenn´s Wochen
oder gar Monate dauert, klar?!"
"Hm…" murrte die Besatzung müde. Sie hätten am liebsten eine Meuterei angezettelt, doch sie
blieben Vernünftig. Es hieß dass ihr Kapitän mit bösen Machten zu tun hatte, dank seiner 'lieben'
Mutter, eine schwarze Hexe.
Plötzlich erschütterte ein Schlag das Schiff und jemand schrie:
"Käpt´n wir haben einen Felsen gerammt."
Panik machte sich an Bord breit. Durch das große Leck strömte Wasser in das Boot, sodass sie
langsam kenterten.
Sogar der Kapitän hatte Angst, was er sich aber selbstverständlich nicht anmerken ließ. Seine
Mannschaft versuchte das Loch abzudecken, doch vergeblich. Gott sei Dank klang nun der Sturm
ab. Allerdings war die Lage ernst, der nächste Strand war kaum zu sehen, ein schmaler weißer
Streifen am Horizont, und ihr Schiff sank immer tiefer.
Er raufte sich die Haare und musste mit ansehen wie sein Schatz, den er in den letzten Wochen so
mühsam gesammelt hatte, auf den Grund des Meeres sank. Womöglich würde ihn jemand anderes
finden und dann behaupten es sei sein Schatz. Doch das brachte ihn auf eine Idee und er lachte als
er rief:
"Wenn er nicht mir gehören soll, dann keinem!"
Und mit diesen Worten nahm er seinen Säbel und ritzte sich in die Haut. Nachdem das Blut
erfolgreich einige Haie angelockt hatte stieß der stolze Pirat nun einen Fluch aus, der die Haie und
ihre Nachkommen dazu zwang seinen Schatz zu bewachen… Für immer!
An diesem Tag konnte sich kein Pirat retten und alle ertranken.
Doch der Kapitän und seine Mannschaft wurden nie gefunden…
2. Kapitel - Eine seltsam schöne Begegnung
Auf einer Karibischen Insel war ein kleines, aber schönes Dorf, dort lebte ein kleiner Junge namens
Pablo. Er wohnte in einer mehr oder weniger stabilen Hütte, die ein wenig abseits vom Dorf war,
da sein Großvater gerne Ruhe hatte.
Eines Tages geschah es, das er, beim Muschelsuchen einen jungen Delfin fand, der seine
Schwanzflosse in einem alten Fischernetz verfangen hatte.
"Oh, du Armer!", sagte Pablo mitleidig "Ich muss dir da raushelfen!" Da sah er einen Stein, der war
ganz schön spitz. Und da das Fischernetz alt, und nicht mehr so fest war, gelang es ihm nach
wenigen Minuten den Delfin zu befreien, der Pablo dankbar anschaute, bevor er im Meer
verschwand.
Sehnsüchtig sah Pablo ihm hinterher. Er durfte nicht schwimmen, jedenfalls nicht bevor er nicht
die Muscheln eingesammelt hatte, die in seinem Dorf als Nahrungsmittel dienten. "Ich glaube",
murmelte Pablo, der immer noch nicht glauben konnte, das er wirklich einen Delfin gerettet hatte
"dass ich dich Nibú nenne, kleiner Delfin!" In Gedanken war er bei ihm, seinem Nibú, dadurch
passte er nicht auf und schnitt sich öfters an den scharfen Rändern der Muscheln, sodass er, als er
daheim ankam an den Händen voller Blut war. Da schimpfte sein Großvater: "Was soll das Pablo?
Wieso kommst du so spät, außerdem blutest du an den Händen. Hast du dich wieder
geschnitten?" "Ja, Opa, Verzeihung. Weißt du, ich habe heute einem Delfin geholfen, der hatte sich
verheddert, und ich hab ihn Nibú genannt! Und, und… Ja, das war alles. Deshalb hab ich halt nicht
aufgepasst." erzählte Pablo.
"Hoho!", Lachte sein Großvater, der jetzt nicht mehr sauer war "Dann willst du heute wohl mit zum
fischen was?"
"Jaa, bitte!" bettelte Pablo.
"Ich stör auch nicht!" Fügte er nach kurzem Nachdenken hinzu.
"Ach, Pablito, warum denn eigentlich nicht?"
"Jaaaaaaaa!", jubelte der kleine Junge "Vielleicht sehen wir Nibú!"
Das bezweifelte der Großvater, sagte aber nichts und schickte Pablo raus in den Garten, bis das
Essen fertig war. Doch er war zu aufgeregt, und auch nach dem Essen konnte der kleine Pablo
kaum stillsitzen, so aufgeregt war er.
3. Kapitel - Fischen und Baden
"Wann geht's los? Wann, wann, wann?"
"Bald, sobald ich fertig bin." seufzte der Opa. Er hasste Ungeduld, fand es aber verständlich das
sein Enkel so aufgeregt war. Er selbst wäre nicht minder aufgeregt gewesen, zu seiner Zeit. Als er
jung war und selber Muscheln sammeln musste. Doch das war schon ziemlich lang her.
"Ich bin fertig!" rief Pablos Großvater aus dem Fenster, da Pablo wieder in den Garten gegangen
war.
"ENDLICH! Los Opa, los, los, los!!!" quengelte Pablo.
"Ja doch, Pablito!"
Am Strand trafen sie sich mit den anderen Fischern des Dorfes, die sich auf die drei Fischerboote
verteilten und nach zirka 10 Minuten Vorbereitung endlich losruderten. Pablo war übrigens nicht
das einzige Kind im Boot. Jose hatte seinen Vater dazu überreden können ihn auch mitzunehmen.
Er war ziemlich gut mit Pablo befreundet und konnte die Geschichte mit Nibú kaum glauben.
"Was? Echt?" fragte er erstaunt.
"Ja!" versicherte Pablo, erfreut über die Reaktion.
"Wie schön für dich, Pablo." Zwar war Jose etwas eifersüchtig, doch er wollte seinem Freund nicht
die Freude verderben. Immerhin war er ja einige Jahre älter und musste auf die Kleineren Acht
geben.
"Pablo, ich will dir ja keine Hoffnungen machen, aber da vorne haben wir einige Delfine gesichtet."
teilte ihm einer der Fischer mit.
"WO?" fragte Pablo, und als er sie sah, sprang er ohne zu überlegen ins Wasser. Es war kalt, sie
waren auch auf offener See, aber Pablo spürte es kaum, er wollte einfach nur zu Nibú. Er hörte
nicht einmal seinen Großvater schimpfen, so sehr wollte er zu seinem Delfin. Und plötzlich, zur
Überraschung Aller, verließ ein Delfin die Anderen und schwamm direkt auf Pablo zu.
"Nibú…" hauchte der Junge, und der Delfin schnatterte in freundlich an.
"Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft" dachte der Opa bei sich.
4. Kapitel - Mika
"Gute Nacht, Pablito!" wünschte ihm der Großvater als er schon im Bett saß. "Gute Nacht, Opi!
Sagte Pablo und musste gleich darauf Husten.
"Siehst du! Das kommt davon wenn man so früh im Jahr ins Wasser springt.", tadelte ihn sein Opa
"Jetzt schlaf und werd gesund! In zwei Tagen ist ein besonderes Fest!"
"Ja, Opi." Und mit den Gedanken an das Fest, von dem sein Opa gerade geredet hatte, schlief er
auch ein, und träumte von Nibú.
"Hach, was für ein schöner Sonnenaufgang!" stellte Pablo fest,
Der soeben von Vogelgesang geweckt worden war.
"Oh, Morgen ist ja schon das Dorffest!" bemerkte er erfreut. Er und die anderen Kinder, mussten
bei diesen besonderen Anlässen immer Blumen, Früchte oder ähnliche Dekoration sammeln. Er
hatte sich mit Jose und Mika verabredet, vor zwei oder drei Tagen und Jose hatte ihn gestern,
nachdem sie wieder zurück vom fischen gekommen waren, noch mal dran erinnert. Mika, das war
die Tochter des Häuptlings, und somit war sie sehr wichtig, denn der Häuptling war das
Machtoberhaupt. Schnell zog sich Pablo an, den er wollte Mika nicht warten lassen. Er fand sie
sehr hübsch und auch sehr nett, aber leider war sie älter und sogar größer als er, und das war ihm
peinlich.
"Du bist spät dran, Pablo." begrüßte ihn Jose mürrisch.
"Oh, dabei hab ich mich beeilt." murmelte Pablo niedergeschlagen.
"Ich hab dir gesagt: 'Und Pablo, komm morgen kurz nachdem die Sonne aufgeht!' Na ja, Mika ist
auch noch nicht da… Ich fürchte ich hab wohl eine sehr kurze Vorstellung von kurz."
Er lachte.
"Oh, da kommt Mika." stellte Pablo, höchst erfreut, fest.
"Hallo, Jungs!" begrüßte sie Mika und ihre kokosnussbraunen Augen glänzten in der Sonne.
"Hallo, Mika." erwiderte Jose betont lässig. Pablo glaubte, dass auch er ein Auge auf das schöne
Mädchen geworfen hatte, denn er benahm sich immer so komisch wenn sie in der Nähe war.
"Also…", begann Mika gedehnt. "Wir brauchen: Vierzig dekorative Blumen, dann so viele Muscheln,
Seeigel und schöne Steine wie wir zusammen bekommen. Ich sage vor, wir gehen zuerst die
Blumen holen, und dann machen wir ein, zwei Rundgänge am Strand entlang. Ich habe schon die
Körbe geholt."
"Wow!" War das einigste was die beiden Jungs dazu sagen konnten. Mika war immer so. TipTop
vorbereitet, manchmal besser als die Erwachsenen, plante sie alles vor und verblüffte jeden. Kein
wunder das viele Jungs aus dem Dorf verrückt nach ihr waren.
"So, also los!" rief Mika mit der typischen Motivation die sie
immer hatte.
5. Kapitel - kurzer Streit
"Uff, endlich haben wir vierzig Blumen zusammen." freute sich Mika.
"Ja, aber wieso mussten alle gleich sein?
Gerade diese sind schwer zu finden." klagte Jose.
"Also wir gehen jetzt zum Strand, oder?" fragte Pablo schüchtern.
"Klar, Kleiner ."
"Hey, nenn mich nicht so! du bist auch nicht gerade viel größer!" regte sich Pablo auf. Er hasste es,
wenn Jose ihn so nannte.
"Äh, Leute, wir sollten zum Strand." schlichtete Mika den streit. "Außerdem sind wir doch alle
freunde."
"Freunde?" fragte Jose spöttisch. "Ich und der Zwerg… Freunde?! Also ich geh!"
"Jose, warte!"
Mika rannte ihm hinterher, den kleinen Pablo alleine lassend. Er starrte Mika an. wieso folgte sie so
einem Macho wie Jose. Er war sehr traurig und fühlte sich von aller Welt verlassen, bis ihm Nibú
einfiel.
"Ich könnte ja schauen, wie es ihm geht." dachte er freudig, denn der Gedanke an den kleinen
Delfin tröstete ihn.
Der Strand war ganz schön voll. Gruppen von Kindern, die hofften die schönsten Dinge für das
morgige Fest zu finden, lungerten dort rum, und versuchten sich gegenseitig die besten Stücke zu
klauen.
"Hoffentlich hat Nibú keine Angst, denn die Anderen machen ganz schön viel Lärm." dachte Pablo
bei sich und sah in Richtung Meer, wo er leider keine Delfine entdecken konnte. Also setzte er sich
irgendwo hin und war völlig entmutig. Er schaute auf die eifrigen Kindern, entdeckte unter ihnen
später sogar Mika und Jose. Sie lachten. Über ihn? Da er die antwort nicht kannte blieb er lieber
weg. Doch da sah ihn Mika, die ihm freundlich zuwinkte und auf ihn zulief.
"Hey, Pablo.", rief sie schon von weitem "Wo warst du? Jose und ich haben dich gesucht."
Sie hatten ihn gesucht… er hatte also dort warten sollen.
"Ich, ich dachte du wärst sauer auf mich weil du dann weggegangen bist, und…" erklärte Pablo,
doch Jose, der sich auch dazugesellt hatte, meinte:
"Also eigentlich wollte sie das ich mich bei dir entschuldige, und das tue ich auch, denn du bist ein
guter Freund, trotz deiner geringen Körperhöhe."
"D-danke…" stotterte Pablo erfreut, und war einfach glücklich so gute Freunde zu haben.
"Ok, uns fehlt noch ein Korb, dann haben wir genug geleistet." Stellte Mika fest, nachdem Pablo
und Jose sich umarmt hatten.
"Gut, gehen wir!" sagte Jose. Und so verging der Tag, leider ohne das sie was spezielles gefunden
hätten.
6. Kapitel - Ein sagenhafter Fund
Doch als die Sonne allmählich anfing untergehen und dem Strand eine besondere Aura gab, da
kam er angebraust, laut schnatternd und wagemutige Sprünge vollführend.
"Nibú…? Ja, es ist Nibú!!!" Pablo war ganz außer Puste, vom Schreien und Rennen. Ja, da war er,
sein geliebter Delfin. Und, ohne groß zu überlegen, sprang Pablo einfach ins Wasser, das, in der
Nähe des Ufers, auch am Abend angenehm warm war.
"Wer ist Nibú?" fragte Mika verwundert.
"Na ja, der Kleine hat sich halt mit so einem Delfin angefreundet und ihn 'Nibú' genannt." erklärte
Jose gelangweilt
"Wie süß!" rief sie begeistert aus. Jose nickte kaum merklich und betrachtete Pablo, der mit dem
Delfin plantschte.
"Also, Nibú!" schimpfte Pablo im Spaß, da der Delfin ihn nass gespritzt hatte. Jetzt näherte sich
auch Mika, um den Delfin aus der Nähe zu betrachten.
"Huch!" erschrak sie, als der Delfin auch sie vollspritzte, allerdings eher unabsichtlich. Und als auch
noch Jose dazukam, da entstand ein lustiges Spiel zwischen den Vieren. Aber als es nach und nach
dunkler wurde, da mussten Mika und Jose gehen, und Pablo eigentlich auch, aber er wollte die
letzten Minuten, bevor es ganz und gar dunkel wurde, mit Nibú verbringen.
"Weißt du, Nibú, morgen ist unser Dorffest. Es wird alle zwei Jahre gefeiert. Wir Kinder, machen
daraus eine art Wettbewerb, wer den schönsten Gegenstand mitbringt hat gewonnen, es gibt
keinen richtigen Preis, aber es macht Spaß."
Nun, da es vollkommen dunkel war, konnte man die Sterne erkennen. Sie waren so schön, so
glänzend.
"Stell dir vor, ich bringe morgen einen Stern mit." sagte Pablo verträumt. "Er glänzt so sehr, das ich
bestimmt gewinnen würde." Pablo wollte eigentlich noch mehr erzählen, doch plötzlich
schnatterte Nibú laut auf, sprang aus dem Wasser und drehte sich um.
Und bevor Pablo verstand was los war, da war der Delfin schon weg. "Nibú!" rief Pablo so laut er
konnte, aber der Delfin kam nicht. Pablo dachte nach. Was hatte er falsch gemacht? Das letzte was
er gesagt hatte war, dass er einen Stern wollte. Nein, er hatte danach noch gesagt, das er dann
bestimmt gewinnen würde. Sicher dachte Nibú, das es ihm nur ums gewinnen ging. Er verließ das
Wasser, da ihm inzwischen kalt war, und setzte sich in den Sand, da er nicht nach Hause gehen
wollte. Lange saß er so da, überlegte ob Nibú deshalb weggegangen war. Dabei schaute er die
ganze Zeit auf den Mond und auf die Sterne. So entging es ihm, das sich ein kleiner, grauer Punkt
näherte. Er wurde immer größer, sprang ab und zu aus dem Wasser, und entpuppte sich als Nibú.
Erst als er ihn hörte, bemerkte Pablo ihn, und seine Freude war kaum zu beschreiben.
"Was war los Nibú?" fragte Pablo, der sich dieses mal nicht sofort ins Wasser stürzte. Der Delfin
kam so nah ans Ufer wie er sich traute, und spuckte etwas aus seinem Maul.
"Was ist das?" wendete sich Pablo an Nibú. Der Delfin schien aufgeregt zu sein. Als Pablo den
Gegenstand aus der Nähe betrachtete, blieb ihm fast die Spucke weg.
Es war ein Diadem, und tatsächlich, die von Diamanten besetzte Mitte schien wie ein Stern zu
funkeln als der Mond sich darin spiegelte.
"Nibú, hast du das für mich geholt?" fragte er fassungslos. Der Delfin schien mit den Augen zu
bejahen, oder kam ihm das nur so vor?
7. Kapitel - Was meint Opa?
"Oh, Nibú!" rief Pablo erfreut aus "So werde ich morgen bestimmt gewinnen, äh, aber denk jetzt
nicht, dass es mir nur ums gewinnen geht."
`Was wird Opi staunen dachte er fröhlich vor sich hin.
Dass er eben einen Schatz von unglaublich hohen Wert in den Händen hielt, wäre für ihn
undenkbar gewesen.
Das Einzigste was er seltsam fand, war das Gewicht, des kleinen Gegenstands, da es ja aus purem
Gold war. Nachdem Pablo sich von dem Delfin verabschiedet hatte, überlegte er kurz wie spät es
sein könnte, oder, was noch schlimmer war, wie viel Ärger er bekommen würde. Eigentlich hatte er
vorgehabt, seinem Großvater von dem Fund nicht zu berichten, damit alles noch überraschender
wirkte. Aber wenn er es recht bedenkte, Sein Opa würde nichts verraten, außerdem wäre er zu
erstaunt um zu schimpfen.
Wie erwartet fragte sein Opa sofort wo er gewesen war, was ja auch verständlich war, Pablo sollte
nämlich immer bevor es dunkel wurde Heim kommen.
"Also, Pablo, du sollst doch" fing er verärgert an, doch der kleine Junge unterbrach ihn hektisch.
"Warte Opi, bevor du weiterschimpfst, sieh dir das an!" Und mit diesen Worten kramte er das
Schmuckstück das er in seinem Stoffrucksack verstaut hatte raus.
Die Reaktion seines Großvaters war sogar noch besser, als er sich vorgestellt hatte. Sein Opa bekam
sogar einen Hustenanfall, weil er sich verschluckt hatte.
"Pablo, sag mir, Kind, wo hast du das her?" fragte er mit heisere Stimme.
"Wieso?" fragte Pablo, plötzlich besorgt. Vielleicht dachte sein Großvater ja dass er das gestohlen
hatte.
"Ich hab's nicht gestohlen!" sagte er, dabei klang seine Stimme empörter als er gewollt hatte.
"Jetzt sag erst wo du es her hast!" erwiderte sein Opa, sichtlich genervt, aber trotzdem noch
atemlos.
"Also, ich war…"
"Machs nicht so spannend!" rief sein Opa.
"Ja-haa!" quengelte Pablo, jetzt hatte er wirklich Lust zu erzählen.
"Weiter geht's. So, also ich war am Strand. Gut, da traf ich Nibú."
"Was, schon wieder dieser Delfin?"
"Ja, mensch, Opa, du nervst!"
"Ist das die art mit der du ältere respektvolle Menschen behandelst?" fragte sein Opa, natürlich
nur im Scherz, denn er lachte. Er war nicht so streng wie andere Großväter aus dem Dorf.
"Gut", sagte Pablo. "Also, sehr geehrter Herr Großvater, bitte unterbrechen Sie mich nicht während
ich rede, herzlichsten Dank." sagte er mit spöttischem Unterton.
"So höflich auch wieder nicht, Pablito."
"Ja, also ich habe Nibú gesagt, es wäre schön einen Stern zu haben, die glänzen soo schön! Und da
ist er weggegangen,
Ok, besser gesagt geschwommen. Und als er zurückkam, da hatte er das im Mund. Wirklich, kein
Wort gelogen! Er ist eben sehr schlau, ja, so ein Delfin ist eben sehr klug!" und Pablo versicherte es
seinem Opa so oft, bis er nicht mehr so skeptisch guckte.
"Gut, also, wenn es der Delfin gebracht hat, dann habe ich einen, nicht sehr überzeugenden
Verdacht, aber… Nein! Obwohl…"
"Was meinst du, Opi?" Fragte Pablo.
"Nichts, ich irre mich wahrscheinlich, aber… Ach, ich erzähle es dir morgen, jetzt schlaf!"
"Aber…" versuchte der Kleine es nochmals, doch sein Opa schüttelte nur stumm den Kopf.
"Gut,", gab Pablo, nach einigen Versuchen nach.
"Aber dann gleich morgen früh, bevor wir zum Fest gehen."
Und nach dem Abendessen, das aus einer kleinen Auswahl typischer Früchte bestand, ging der
kleine Pablo ins Bett.
Zuerst wollte er das Diadem unter seinem Bett verstecken, doch dann überlegte er es sich besser
und vertraute es seinem Großvater an.
Pablo konnte kaum einschlafen, denn er war sehr aufgeregt und stellte sich vor, wie sehr seine
Freunde, insbesondere Mika, erstaunt sein würden.
Doch in diese schönen Fantasien mischte sich nach einer Weile ein tiefer Schlaf ein.
8. Kapitel - Die Geschichte von 'Michael el Loco'
Als die Sonne munter durch das kleine Fenster schien da konnte Pablo gar nicht schnell genug aus
dem Bett rasen.
"Opa, Opa! Was war jetzt deine Vermutung?" fragte er fröhlich, der Tag heute war aber auch zu
schön.
"Hoffentlich träume ich nicht!" sagte er zu sich selbst.
"Guten Morgen, Pablo." grüßte sein Großvater, der schon früh aufgestanden war.
"Nun, bist du bereit?", fing er an
"also, unterbrich mich aber nicht, ja? Gut, es gab einmal eine Legende über einen Piraten, der war
sehr gefürchtet, sogar unter seiner Mannschaft. Man munkelte er könne zaubern, er hieß Michael
el Loco. Und den Namen hatte er nicht umsonst, man konnte ihm nicht trauen, und, wenn es
darauf ankam, da konnte er sogar wehrlose Zivilisten töten."
"Was?!" Pablo war entsetzt, doch sein Großvater fuhr unbeirrt fort: "Seine Haare waren rot, wie
die seiner Mutter.
Sie war eine Hexe die auf dem Scheiterhaufen landete als er kaum erwachsen war. Nach ihrem Tod
war er so entsetzt und von jedem wegen seines wildem Charakter unbeliebt, sodass er beschloss in
der nächsten größeren Stadt sein Glück zu versuchen. Zu seiner Zeit, einer Epoche großer
Entdeckungen und Schifffahrten, war das Einfachste als Schiffsjunge anzuheuern. Außerdem
entsprach das seinen Plänen ein Schiff zu kapern und ein Seeräuber zu werden. Er brauchte einige
Jahre um das Vertrauen des Kapitäns für sich zu gewinnen und das Interesse an der Piraterie in der
Mannschaft zu wecken, natürlich heimlich. Dabei wendete er angeblich einige Tricks an, die ihm
seine Mutter vor ihrer Hinrichtung beibrachte. Eines Nachts brachte er wie üblich das Essen in die
Kajüte des Kapitäns. Dieser war erfreut einen solch fleißigen jungen Burschen zu sehen und hatte
wie immer ein paar warme Worte für ihn übrig, doch dieses Mal waren es seine letzten."
Pablo hörte immer noch gebannt zu.
"Ja, er war ein sehr heimtückischer Mensch. Nach dem Mord übernahm er das Kommando und
Verbündete des Kapitäns wurden einfach über Bord geworfen. Nach einigen Jahren voller blutiger
Gefechte an den damals neuen spanischen Kolonien in Amerika, bei denen er kaum zu Schaden
kam, war er auf seinem besten Raubzug, und hatte so viel Gold, das kannst du dir kaum vorstellen.
Doch er wurde zu übermütig, viel zu übermütig. Er trank viel Rum, Alkohol, feierte sogar kleine
Feste auf dem Schiff und lachte über die Dummheit der Überfallenen.
Tja, da geschah das Unglück. Was genau passiert ist, das weiß ich nicht, ich habe es nie gewusst.
Auf jeden Fall sank ihr Schiff, und die gesamte Besatzung, inklusive des neuen Kapitäns,
verschwand in den Tiefen des Meeres."
"Und niemand hat den Schatz gefunden?" fragte Pablo verwundert. "Na ja, viele haben es
versucht, aber ihr Schicksal war schrecklich… Denn das Riff in dem man den Schatz vermutet soll
von besonders aggressiven Haien verseucht sein. Deshalb munkelt man dieser Michael habe sie
mit einem Fluch belegt. Tja, scheint so, als wäre dein Delfin so klug gewesen und die Haie
ausgetrickst habe."
und mit diesen Worten beendete er die Geschichte die Pablo sehr fasziniert hatte.
"Na ja… ähm, Opi? Bekomm ich bitte das Diadem zurück?"
"Sicher doch, es gehört ja dir." erwiderte sein Großvater und kramte das goldene Schmuckstück
raus.
"Und damit gewinnst du den kleinen Wettstreit, nicht wahr?" sagte sein Opa, voller Stolz.
"Ja, das hoffe ich." antwortete Pablo und grinste bei dem Gedanken.
9. Kapitel - Wer gewinnt?
"Beeil dich, Opi!" sagte Pablo quengelig.
Sein Opa war viel zu lahm, wenn man bedenkte, das sie noch ein gutes Stück zu laufen hatten, bis
sie ankamen, die Hütte seines Großvaters war nämlich, wie bereits gesagt, etwas abseits vom Dorf.
"Ich hoffe es ist noch Essen da." rief Pablo.
"Pablo, das Fest hat vermutlich nicht einmal angefangen." versuchte sein Großvater in
zurückzuhalten, doch Pablo wollte nichts hören und rannte voraus, mit fröhlichen Sprüngen. Ein
wenig neidisch war sein Opa schon, er hatte seine Kindheit nicht so sehr genossen wie sein Enkel.
Er liebte Pablo über alles, und dennoch konnte er ein Schmunzeln nicht unterdrücken, als dieser
stolperte und in den Sand fiel.
Pablos Großvater hatte Recht gehabt, sie waren fast die Ersten die ankamen, ansonsten waren nur
fünf Andere da, unter ihnen Jose, der auch furchtbar ungeduldig war.
"Hallo", grüßte er "na wie geht's?"
"Gut, aber ich hab so Hunger!" erzählte Pablo.
"Ja, kann sein. Bei mir ist es genauso. Wir haben nichts gefrühstückt." erwiderte Jose lässig, und tat
so als wäre es ihm egal, in Wirklichkeit aber war sein Hunger groß.
"Hallo, Jungs!" rief da Mika, die eben mit ihren Eltern angekommen war.
So langsam füllte sich der Dorfplatz, alle waren froh und heiter an diesem besonders schönen Tag.
Vor allem Ziza, Mikas beste Freundin, freute sich, denn sie hatte gestern einen blauen Seestern am
Strand gefunden, der war so schön dass Mika und Jose ihn einfach nur sprachlos ansahen und Ziza
den Sieg garantierten. Auch Pablo tat begeistert, in Wirklichkeit aber lachte er in sich hinein, denn
er hatte ja noch ein Geheimnis…
"…Und damit erkläre ich das Buffet für eröffnet!" beendete der Häuptling die langweilige Rede, die
er immer vor dem Fest hielt. Völlig unnötig, wie die Meisten fanden, und doch war sie eins der
wenigen Erkennungszeichen die solche Feste hatten.
"Man, dein Vater nervt!" kicherte Ziza ihrer Freundin Mika zu, von der sie aber statt einem
Grinsen, einen bitterbösen Blick erntete.
"Tschuldigung…" murmelte Ziza zerknirscht. Ihr Gesicht hellte sich aber sofort auf, als der
Häuptling auf den Wettbewerb zu sprechen kam, von dem sie dachte, das sie haushoch gewinnen
würde.
"Dieses Jahr verleihen wir sogar einen Preis." verkündete er feierlich.
Zizas Augen leuchteten auf, und Jose sagte sie solle mit ihnen teilen. "Na klar!" sagte sie, und
wurde ein wenig rot.
"Sie mag ihn." dachte Pablo und freute sich, auch seinen Freunden konnte er ein wenig Freude
gönnen.
"Der Preis ist ein Überraschung…"
Sagte der Häuptling geheimnisvoll, und lachte, während sich die Kinder hinter ihm aufstellten.
Viele stritten sich um die vordersten Plätze, nur Ziza nahm wie selbstverständlich den letzten Platz
in der Warteschlange ein. Pablo schlich sich leise hinter sie, er war nicht sicher, ob sie es ihm
erlaubt hätte, hätte sie ihn gesehen.
10. Kapitel - Fest zu Ende
Natürlich gab es nichts besonderes, das die Kinder zeigen konnten. Eine schöne Blume, ein Stein,
der zufällig wie ein kleiner Vogel oder ein Fisch aussah, solche Sachen eben. Dann kam Ziza, und
verglichen mit den Funden der anderen, war ihr Seestern das schönste, bis jetzt.
"Also, habe ich nun gewonnen?" fragte sie schüchtern.
"Ich bin aber noch da!" sagte Pablo ein wenig verlegen.
"Oh, ich hab dich ganz übersehen. Gut, bist du der letzte?" wollte der Häuptling wissen und Pablo
nickte brav.
"Also", fing er an "gestern, da war ich am Strand und dort habe ich das hier gefunden." und mit
diesen Worten holte er das schwere Schmuckstück raus das in der Morgensonne unbeschreiblich
schön glänzte, außerdem war die Mitte mit grünen Smaragden, blauen Saphiren und Diamanten
besetzt. Alle, außer sein Großvater, hielten die Luft an und konnten oder gar wollten im ersten
Augenblick nicht glauben, was der Achtjährige da in der Hand hielt.
"Was ist denn?" fragte er.
Der Häuptling fing sich als Erstes, rannte zu seiner Frau und flüsterte ihr etwas zu. Sie schüttelte
den Kopf, war aber ganz blass geworden, und alle die gehört hatten, was der Häuptling gesagt
hatte, erzählten es ihren Sitznachbarn, bis fast jeder im Dorf es wusste, den sagenumwobenen
Piratenschatz gab es wirklich.
11. Kapitel - Planänderung
Pablo war enttäuscht. Kaum hatte er seinen Schatz gezeigt, da war das Fest auch schon zu Ende,
der Dorfhaüptling
war nach Hause gegangen, und die Meisten waren seinem Beispiel gefolgt, denn sie wussten nicht
so recht was sie noch im Freien anfangen sollten. Auch er und sein Großvater hatten das Dorf
relativ bald verlassen. Vom Preis hatte er nichts mitbekommen und außerdem hatte sein Opa ihm
nicht erlaubt das Essen anzufassen, sodass er immer noch hungrig war.
Doch der Tag erhellte sich mit einem Schlag, als Mika an der Tür klopfte und ihm hastig erzählte,
dass ihr Vater mit ihm zu sprechen wünsche.
"Pablo, es ist wichtig dass du mir erzählst, wo genau du diesen Schatz gefunden hast!" meinte
Mikas Vater, als er zirka 10 Minuten später in seinem Haus ankam.
"Ich sagte doch am Strand. Aber, nein, nein! Eigentlich, also… Es war mein Delfin…"
"Delfin?" fragte er verständnislos.
"Ja, lange Geschichte…" meinte Pablo hastig. Er hatte keine Lust jetzt noch groß über Nibú zu
berichten, wo es doch jetzt gerade so was spannendes wie einen Schatz gab.
"Ja, weiter." wurde nun auch der Häuptling ungeduldig.
"Ähm, das war's…" beendete Pablo schüchtern.
"Delfin… Die Zeit, ja das könnte gut hinkommen… Nachts, sind sie doch müde…?" murmelte sein
Gegenüber mehr zu sich selbst als zu Pablo.
"Was kommt denn hin?" fragte dieser leise. Er erhielt jedoch keine Antwort, stattdessen rief der
Häuptling nach seiner Tochter und seiner Frau und gab ihnen auf alle Dorfbewohner wieder
zusammenzutrommeln, und sagte Pablo könne ihnen ja helfen, er würde gerade einen Plan
austüfteln, wofür sagte er aber nicht.
12. Kapitel - Was hat der Häuptling vor?
"Ja, Opa! Es ist sehr wichtig!" rief Pablo wenige Minuten später seinem Opa ungeduldig zu.
"Was ist den los?" fragte er verblüfft.
"Also, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht genau, aber…"
"Ja, ich versteh schon." lachte sein Großvater.
"Gut, was stehst du dann noch in der Küche? Auf geht's!"
"Also, wir haben uns hier versammelt um, also, es geht um…", fing der Häuptling an, doch er
unterbrach sich und sagte schließlich: "Nicht, dass es uns schlecht gehen würde, aber wie fändet
ihr es einen Schatz zu finden?"
Die Dorfbewohner sahen einander erstaunt an.
"Wie sollen wir das verstehen?" fragte Einer. Ein Anderer wollte wissen, ob das etwas mit dem
Fund von Pablo zu tun habe, und ein älterer Mann sagte dass das doch Unsinn sei, das sei ja kein
richtiger Schatz und man konnte ja wohl kaum durch Zufall reich werden.
"Hört mir erst einmal zu!" befahl der Häuptling streng.
"Also, ich glaube, und ich betone glaube,
dass dieser Fund kein Zufall war. Pablo hat mir erzählt, dass ein Delfin es ihm gebracht hat, das
klingt unglaublich…
Aber jetzt hört mir mal zu! Ich glaube, dass es ein Beutestück aus dem Schatz von dem berühmten
'el Loco' ist."
"Was?!" rief der alte Mann von vorhin
"Also bitte! Das glaubst du doch selbst nicht!" Nun wurden auch andere skeptisch und einige
mussten ein Grinsen unterdrücken weil sie fanden dass sie zu alt waren um Schatzsuche zu spielen.
Mika wurde rot. War ihr Vater etwa völlig übergeschnappt?
"Vater!" zischte sie ihm leise zu und konnte ihre Wut kaum verbergen.
"Nun, ich weiß, es klingt unglaubwürdig…" fing der Häuptling wieder an, doch Pablo unterbrach
ihn.
"Leute, wenn ihr uns nicht glaubt, dann sagt mir doch wie das Diadem ins Wasser gekommen ist!
Meint ihr etwa eine Prinzessin ist ins Meer gefallen?!"
Alle sahen ihn verwundert an. Dass ein kleiner Junge einfach die Menge vor ihm wütend, und ohne
zu stottern, so anschrie kam nicht oft vor.
"Nun… Wir könnten uns die Idee des Häuptlings wenigstens mal anhören." sagte eine Frau und ihr
Mann nickte.
Beinah alle stimmten diesem Vorschlag zu und Pablo lächelte zufrieden.
"Meine Idee war es, einige Delfine zu Hilfe zu holen. Doch dafür brauche ich Pablo." sagte der
Häuptling und lächelte den kleinen Jungen an.
"Ja, ich helfe gerne!" meinte dieser fröhlich.
Sein Großvater, der sich bis jetzt rausgehalten hatte, fragte:
"Und dann?"
"Dann, werden wir den Delfinen sagen sie sollen die Haie ablenken und…"
"Ha!", machte der ältere Mann.
"Als ob diese Tiere uns Menschen verstehen könnten!"
"Die vielleicht nicht, aber Nibú schon!" rief Pablo empört.
"Pablo!" seufzte sein Opa.
"Nun, ich finde, er hat Recht!" meinte der Häuptling.
"Gut, und weiter?"
"Ja, genau, diese nehmen Irgendwas aus dem Schatz, sie müssen ja wissen wo er ist. Und die Haie,
die angeblich den Schatz bewachen, müssen ihnen hinterher schwimmen."
"Und dann nehmen wir den Schatz, oder wie?" fragte jemand.
"Nein, die Zeit würde nicht reichen, nein. Aber ihr kennt doch die Wasserhöhle. Für die, die sie
nicht kennen, es ist ein kleines Loch im Boden, vor einer Klippe. Das Loch führt durch den Boden
und ist knapp bis zum Rand mit Meerwasser gefüllt. Groß genug, dass zwei Delfine nebeneinander
bequem Platz haben. Also, einige Meter dahinter, werden wir ein Fischernetz spannen und an der
Klippe werden wir, kurz vor dem Eingang der Höhle, ein Gitter auf eine Palme hängen. Gut, haben
es soweit alle verstanden?"
Alle nickten, manche brummten beleidigt, hörten aber trotzdem zu.
"Gut,", fuhr der Häuptling fort:
"Die Delfine schwimmen in die Höhle, die Haie natürlich hinterher, dort springen sie raus und
werden von uns aufgefangen, sollten die Haie raus springen ist das ihr Pech. Die Delfine tragen wir
wieder ins Meer. Oh, ich vergaß, sobald die Haie in der Höhle sind schneiden wir das Seil, das das
Gitter hält durch, und dann sind die verdammten Haie gefangen. Tja, ich denke damit hat sich dann
alles geklärt.
Noch Fragen?"
"Nein, nicht wirklich…" sagte Mika, und war nun sogar ein wenig Stolz auf ihren Vater, der Plan war
wirklich gut.
Das mussten auch alle anderen zugeben.
13. Kapitel - Ziele verfolgen
"Gut, wann sollen wir damit anfangen?" fragte Pablo.
"Warum nicht gleich?"
Damit waren alle einverstanden, denn es war ein ziemlich guter Ersatz fürs Dorffest. Und mal
ehrlich, wer hatte denn als Kind nicht gerne 'Schatzsuche'
gespielt?
"Wartet mal!" rief einer.
"Was ist denn?"
"Wer sagt den Delfinen bescheid?"
Der Häuptling schaute ihn verstört an und meinte dann ganz selbstverständlich:
"Na, Pablo!"
"Was? Wieso ich?" fragte dieser.
"Du hast dich doch schon mit einem Delfin angefreundet, warum machst du nicht dass gleiche mit
ein paar anderen?
Nero kann dir auch helfen."
"Er heißt Nibú!"
"Dann eben Nibú, ist doch egal. Also wir warten hier auf dich und bereiten alles vor. Du darfst auch
ein paar Freunde mitnehmen."
"Dann nehme ich Jose und Mika mit.
Oh, und Ziza meinetwegen auch…"
"Ja!" riefen die drei wie aus einem Mund.
"Und, wo ist nun dein Delfin." fragte Ziza genervt, nachdem sie nun schon 10 Minuten gewartet
hatten. "Ich weiß es nicht…" sagte Pablo traurig, er hatte gehofft dass Nibú schon Strand sein
würde. Das tat er aber nicht. Mika versuchte die angespannte Stimmung etwas zu lockern:
"Nun, wir könnten ins Wasser und
vielleicht…"
"Nein, wir warten!" meinte Jose und
Ziza zischte er noch wütend zu:
"Glaubst du die warten so an die zwanzig Stunden auf uns?"
"Nein, aber…"
"Na, also!"
Danach war es für eine Weile still.
Etwa 15 Minuten später tauchte Nibú tatsächlich auf und Pablo freute sich wie ein Schneekönig,
auch wenn die Bezeichnung 'Sandkönig' besser gepasst hätte.
"Oh, Nibú!"
Der Delfin schnatterte, zufrieden Pablo zu sehen.
"Nun Pablo, wolltest du ihn nicht was fragen?" sagte Ziza hämisch
"Nibú, Ziza hat recht, ich will dich wirklich was fragen. Würdest du uns dabei helfen die Haie, die
den Piratenschatz bewachen, in eine Falle zu locken… Natürlich brauchen wir auch Hilfe… Aber
egal, was sagst du?"
Der Delfin schaute fragend und Ziza seufzte.
"War ja klar…"
"Was willst du damit sagen?" fragte Pablo wütend.
"Na, dass das klar war!"
"Hey, hört auf!" ging Mika dazwischen und auch Jose meinte sie sollen aufhören.
Da sprang der Delfin ungeduldig hoch und schaute sie erwartungsvoll an.
"Na bitte!" lachte Jose als er bemerkte dass Nibú seit kurzem nicht mehr allein war.
14. Kapitel - Und jetzt?
"Wo bleiben denn die?" fragte Joses Vater nachdem sie nun schon länger als eine Stunde weg
waren.
"Da kommen sie!" rief plötzlich einer und alle drängelten sich um Pablo und seine Freunde.
"Wo wart ihr so lange?"
"Na, wie war's?"
"Waren da echte Delfine?"
"Warum seid ihr so nass?"
"Was habt ihr gemacht?"
"Leute! Ruhig, bitte! Lasst sie doch erst einmal erzählen und stellt dann eure fragen!"
Pablo fing an:
"Zunächst war der Strand leer, wir fanden dort jedenfalls keine Delfine.
Allerdings…", er machte eine Pause, sah in die vielen neugierigen Gesichter und fuhr dann fort:
"…tauchte mein Nibú schon nach einer Weile auf, später gesellten sich sieben, acht Delfine mehr,
rechnen wir also ungefähr mit neun Delfinen… Ok, das war alles.
Ah, und wir haben uns von den Delfinen noch den Ort zeigen lassen wo der Schatz ist, wir sind
aber nicht getaucht!"
"Waaas?!" regte sich Zizas Mutter auf.
"Mama! Nicht aufregen! Die Haie haben uns nicht angegriffen!"
"Natürlich nicht, sonst wärt ihr gar nicht hier, wisst ihr wie gefährlich so ein Hai ist?" schimpfte sie
mit ihrer Tochter.
Doch nach einer Weile war der kurze Streit vergessen und der Häuptling teilte alle in Gruppen ein
die zum Beispiel das Gitter aufhängten. Glücklicherweise war genau über dem
Unterwasserhöhleneingang eine größere Palme, die das ziemlich schwere Gitter tragen konnte.
Nachdem alles fertig war rief Pablo den Delfinen zu, sie sollen los schwimmen. Er freute sich, jetzt
sahen ihn viele als Helden an obwohl er eigentlich keinen Finger gerührt hatte.
Und eigentlich musste er jetzt nicht mehr viel machen außer warten.
Nibú allerdings, und seine Freunde hatten alle Flossen voll zu tun. Zunächst einmal hatten sie nicht
verstanden was sie tun sollten, erst nach mehrfachen Erklärungen begriffen sie:
Sie mussten die doofen Haie austricksen. Das war keine schwere Arbeit, diese Haie waren wirklich
dumm.
Die Delfine wählten zwei von ihnen aus, die diese Arbeit erledigen sollten.
Ihren Anführer Sokoh und, natürlich, Nibú.
'Gut, alles hängt von uns ab.'
Er hatte keine Angst, es war eher Aufregung. Zuerst mussten sie sich verstecken und einen guten
Augenblick abpassen.
15. Kapitel - Nibú ist nicht schnell genug
'Jetzt!' dachte er und schwamm los,
Sokoh hinterher.
'Blödmänner!' sagte der kleine Delfin zu sich als er nach einem glitzerndem Gegenstand
schnappte.
Doch die Haie bemerkten sie ein wenig zu früh, sodass Beide schneller als gewohnt schwimmen
mussten.
Nibú sah bereits die Höhle, als er einen schmerzenden Biss an der Schwanzflosse spürte. Sie
waren zu langsam! Nibú versuchte panisch schneller zu werden, denn in so einer Lage hatte er sich
nie befunden. Er sah nach hinten und sah die kleinen Knopfaugen der Haie hämisch aufblitzen.
Doch Sokoh rammte dem Hai, der ihnen am nahesten war, seine spitze Schnauze gegen die
Kiemen, sodass dieser benommen zu Boden sank.
Sie schafften es knapp bis zur Höhle und von da an lief alles wieder nach Plan. Und die Haie
versuchten auch nicht rauszuspringen, denn so dumm waren sie anscheinend nun auch wieder
nicht.
16. Kapitel - Langweilige Besprechungen
Die Dorfbewohner jubelten, vor allem der Häuptling, der erfreut war, dass sein Plan geklappt
hatte, und winkten den Delfinen nach. Nur einer, Nibú, blieb noch in der Nähe von Pablo und sah
seinen Artgenossen nach. Beide fühlten sich wie ein Held obwohl Nibús Schwanzflosse immer noch
schmerzte.
Nun mussten sie nur noch den Schatz holen. Das war nicht schwer, aber zuerst mussten die
Erwachsenen noch was besprechen, wie immer. Da das für die Kinder zu langweilig war gingen
diese an den Strand und sahen den Wolken im klaren Himmel zu.
Pablo seufzte tief.
"Natürlich müssen sie wieder was besprechen, war ja klar. Sie haben einen Schatz an der Leine und
reden lieber. Noch dazu über Sachen die uninteressant sind!"
Er sah zu Nibú.
"Aber wir sind schlau, oder?"
Und mit diesen Worten sprang er auf den Delfin. Mika sah das mit schrecken und schrie ihm was
hinterher und auch Ziza schien überrascht. Nur Jose lachte und beruhigte die beiden Mädchen. "Er
kann schon gut genug auf sich aufpassen." meinte er fröhlich und stellte sich vor wie gewaltig der
Schatz wohl sein würde.
17. Kapitel - Sind alle weg?
Ein wenig wackelig war das schon, auf dem Rücken eines kleinen Delfins, aber immerhin war es
nicht das erste Mal dass Pablo auf Nibús Rücken saß.
"Schneller!" jauchzte er fröhlich und sah das tiefblaue Wasser aufspritzen.
Endlich waren sie angekommen und Pablo hielt die Luft an und tauchte.
Er war wie verzaubert. Bunte Fische tummelten sich zwischen einigen Korallen, doch für die
Prachtvolle Unterwasserwelt hatte er kaum mehr als einen kurzen Blick übrig. Wie gebannt starrte
er auf die zerbrochenen Truhen, aus denen Goldschmuck, Edelsteine und Goldmünzen
hervorquollen.
Da bemerkte er einen großen Schatten.
Zuerst dachte er es sei sein Delfin. Dass Nibú aber wesentlich kleiner war, fiel ihm erst ein, als er
auftauchte um Luft zu holen. Nun bekam er ein wenig Angst, und er fragte sich, ob vielleicht noch
ein Hai dageblieben war und wenn ja, wie groß er wohl war …
Er tauchte schnell wieder runter, den er hatte Angst um den Delfin der jetzt ganz allein unten war.
Mit einem Hai…
Und tatsächlich, da war ein Hai. Dieser steuerte direkt auf ihn zu und von Nibú war keine Spur zu
sehen.
Pablo konnte sich vor Angst kaum bewegen, der Hai war riesig und er sah sehr blutrünstig aus. Nun
sah er das offene Maul mit den vielen Zahnreihen.
Erst im allerletzten Augenblick wich er schnell aus, sodass der Hai statt ihn zu fressen, nur eine
kleine Wunde am Arm verpasste. Doch dass Blut machte den Hai noch wilder und Pablo bemerkte,
dass er ihm nächstes Mal nicht ausweichen würde können. Außerdem musste er wieder Luft
holen.
Gerade als er dachte Alles sei verloren und er wieder ins Maul des Haies sehen konnte, zischte
etwas vor und traf den Hai. Freudig bemerkte der Junge dass es Nibú war, der mit dem Hai
kämpfte.
Er hatte sich umgeschaut, und den Hai fast zu spät gesehen.
Schnell schwamm Pablo hoch und verhinderte gerade noch rechtzeitig, dass seine Lungen platzten.
Als er wieder unter Wasser war bemerkte er, dass es nicht gut für Nibú aussah. Abgesehen davon,
dass die vorherige Wunde noch nicht richtig ausgeheilt war, hatte der Hai ihn nun auch noch in die
Ecke gedrängt. Pablo konnte das nicht mit ansehen und versuchte den Hai abzulenken. Doch
plötzlich hörte er ein wütendes Schnattern, so wie er das von Nibú kannte, bloß ein wenig tiefer.
Erfreut sah der Junge drei ausgewachsene Delfine auf den Hai los schwimmen. Er wollte sehen wie
sie den Hai vertrieben, doch das ließen seine Lungen wieder nicht zu. Nachdem er Luft geholt
hatte und wieder runtergeschwommen war, da war es eigentlich schon zu spät, er sah nur noch,
wie die Leiche des Haies zu Grund sank und Nibú sich herzlich bei den anderen, unter denen auch
Sokoh war, bedankte.
Er tauchte schnell zum Schatz und nahm ein goldenes Armband, das über eine Koralle gehängt
war, bevor er sich wieder auf Nibús Rücken schwang.
Fröhlich dachte er an die Dorfbewohner denen er vom Kampf erzählen würde. Er war sich jetzt
schon sicher, dass sie ihm nicht glauben würden. Und die winzige Schnittwunde am Arm würden
sie nicht einmal bemerken. Manchmal nahmen sie ihn nicht ernst. Für einen Moment war er
traurig. Doch als er seine Freunde am Strand winken sah, verließ ihn dieses Gefühl sofort und er
lachte ihnen entgegen.
20.11.2010
Zeitungsbericht:
Am 16.11.2010 wurde zum ersten Mal bekanntgegeben, dass die Dorfbewohner einer kleinen
karibischen Insel einen gewaltigen Schatz, dessen Wert noch ungenau bleibt, gefunden haben
sollen.
Als vor einigen Tagen ein Fischer behauptete er habe gesehen wie einige Bewohner einer Insel in
der Karibik
einen riesigen Schatz, Stück für Stück auf ihre winzigen Fischerboote luden, hielt man ihn für
verrückt. Doch nachdem diese Berichte sich häuften, beschloss man der Sache auf den Grund zu
gehen. Das überraschende Ergebnis:
Der Fischer hatte nicht gelogen! Nach Meinung des Oberhauptes auf der Insel war es der Fund
eines Achtjährigen Jungen, der die Inseleinwohner auf diese Fährte brachte.
Der Junge berichtete von einem Delfin der ihm dabei geholfen haben soll. Ob das mit dem Delfin
stimmt, oder ob das nur eine Geschichte war die sich der Junge ausgedacht hat ist ungewiss. Sicher
ist bis jetzt noch nichts. Abgesehen davon, dass der Schatz zur Zeit auf einem Haufen in der Mitte
des Strandes, wo die Leute ihre Häuser und Hütten aufgebaut haben, ruht. Das Oberhaupt mit
dem Namen Francisco Garcia Pérez hat den Wunsch geäußert, aus der Insel eine Art
Touristenattraktion zu bauen, diese soll aus einem Freizeitpark bestehen und am Nördlichen Ende,
in der nähe des gewünschten Hotel indem die Gäste für eine oder mehrere Wochen die
Schönheiten der Natur mit der Technik der Attraktionen zusammen erleben kann, soll auch ein
Aquarium gebaut werden, in dem die Delfine, Haie und andere Fische bewundert werden können.
Amanda Borisov