Abschlussball 2010

"Wie war das jetzt noch mal, muss ich die Tischkarten mitnehmen oder macht das Horsti?"
"Ja, genau, das ist das gleiche mit dem Blumenstrauß, oder?"
-"Ruhe, das sagt er doch gerade!",
"Wann müssen wir denn jetzt genau da sein?"
-"Ach, woher soll ich das wissen? Komm einfach wenn's dunkel wird!"

Solche oder so ähnliche, zum Teil etwas planlose, bisweilen bissig angehauchte Bemerkungen und freundschaftliche Diskussionen waren zwar an der Tagesordnung, aber nur in den seltensten Fällen ließen sich hier erwähnte Horrorszenarien von Fortuna realisieren.
Immerhin war es kurz vor dem großen Abend der aufgeregten, sich aber in einen coolen Mantel völliger Souveränität eingekleideten 10.-Klässler.
Dies vorweg: Es war ein Abend, vom dem alle Beteiligten und Betroffenen lange zehren können und werden. Die Tänzer, ebenso wie die tanzenden, eingeladenen Lehrer, die sich zur Freude Horsts und aller , die sie kannten, zu Hauf haben blicken und durch einen tosenden Applaus haben begrüßen lassen.
Großes Durcheinander herrschte bereits bei der Platzverteilung, die durch die selbstgebrachten und unverkennbar selbstgebastelten Tischkarten einer professionellen Platzreserverung in nichts nachstand, sondern sogar im Motto "Wer zuerst kommt..." um Längen übertraf.
Nachdem ich die Situation und das rege Suchen nach dem idealen Sitzplatz eine Weile außenstehend betrachtet habe, fasste ich für mich persönlich den Entschluss, diesem Wirren ein Ende zu bereiten und stellte meine Karten beherzt auf einen, der unzähligen Eltern-Tische.
Ich muss, denke ich, nicht erwähnen, dass auch uns ein bescheidenes Dasein an einem Tisch vergönnt war, nur eben ein gehöriges Stück entfernt, an einem Ort, wo man sich seinen jugendlichen Leichtsinn hingeben konnte und die Rechnungen der bestellten Getränke sofort begleichen musste.
Aus den Augenwinkeln heraus fiel mir eine etwas hysterisch wirkende, junge Frau auf.
Ich las dies aus den wilden Kreisbewegungen ihrer Oberarme heraus, die sie als probates Mittel ansah, die umherstehenden Ballgänger, die sich doch tatsächlich dazu erdreistet hatten, ihr den Weg mit ihren in Anzügen gehüllten Leibern zu versperren, höflich zur Seite abzudrängen.
Sie schien mir auf irgendeine Weise mitteilen zu wollen, dass meine Platzwahl nicht direkt in ihren strukturierten Plan passte.
Keineswegs waren meine Absichten verletzenden, ignorierenden oder arroganten Ursprungs, als ich mich langsam und besonnen von meinem Platz und der Frau, deren geistiger Zustand mir langsam Bedenken machte, entfernte.
Ich hatte außerdem keine andere Wahl, denn mein innerer sechster Sinn, vernahm leise den vierten, etwas heißeren Ruf Horsts, sich doch nun endlich für das Gruppenfoto aufzustellen.
Im Nachhinein wäre mir tatsächlich noch etwas Zeit zum Plaudern beschieden gewesen...;)
Es folgte die Begrüßung der Eltern und der Geleit der selbigen zu ihren mit den selbstgebastelten Tischkarten signalisierten und reservierten Plätzen.
Mir war obendrein sogar noch eine Coverversion von Schnitzeljagd zuteil gekommen, die ich unter einem spontanen Schweißausbruch wagemutig annahm.
Nach fünf Minuten und einem nassen Hemd, fand sich meine von zuhause mitgebrachte Familie auf ihren vorgesehenen Stühlen.
Mein geschulter Detektivblick lies nur eine Situationslogik zu:
Anscheinend saugte der leichte Luftzug in dem großen Saal jede einzelne meiner fünf selbst-laminierten Tischkärtchen an, ließ sie einer Feder gleich durch die mit ausreichend Ozon angereicherter Luft schweben und setzte sie in tadellosem Zustand auf einem 7 m Luftlinie entfernten Tisch wieder ab.
Noch ganz perplex von dem Wunder, das sich just abgespielt haben musste und dem schmunzelnden Gesichtsausdruck einer äußerst attraktiven, jungen Dame, die mir auf irgendeine Weise vertraut vorkam, ich hatte sie auf jeden Fall beim Sport schon einmal gesehen, Rudern vielleicht, begab ich mich zur Eingangshalle.
Dort traf ich nicht nur meine wunderschönen Tanzpartnerin an, sondern war von dem Antlitz der vielen chic gekleideten, jungen Herren und ihren Begleiterinnen, deren farbliche Abstimmung von Galakleid und Blumensträußchen einem den Atem zu rauben versuchte, hin und weg.
Nach einem letzten, kräftigen Schluck, frischer Januarluft, stolzierten wir stolz darauf, eine Partnerin an unserer verschwitzen Hand geleiten zu dürfen, den unzählige Male einstudierten Weg auf der etwas glatten Tanzfläche.
Es war überraschend und erleichternd zugleich:
Keine gröberen Fehler, welche sich auch sonst den gesamten Abend im Zaum hielten.
Aber Horsti hat es von Anfang an gewusst, prognostiziert und vor allem propagiert.
Was nun folgte, waren die im Schweiße unseres Angesichts erlernten Fähigkeiten, die uns zu privilegierten Standardtänzern machte. Eines Cha-Cha-Chas genauso eines Wiener Walzers würdig, der mit unserem jeweiligen Elternteil in Perfektion dargeboten wurde.
Der Großteil verfiel in einen rauschartigen Zustand, absoluten Hochgefühls.
Die einen flohen sich auf die Tanzfläche, um ihren Adrenalindurst mit einer rasanten Discofox Drehung zu stillen, andere behalfen sich auf konventionellere Art und Weise mit einer Flasche kühlen Nass', was nicht nur die Stimmung förderte, sondern auch die Zungen spitzen lies.
Gespitzt waren auch die Ohren, als zu fortgeschrittener Stunde eine geniale, vierköpfige Stepptanzgruppe die Münder offen stehen lies.
Eine erstaunliche Vorstellung gab es auch von unserem zweiten Tanzlehrer, Mike, der sich nur noch mit einer Havanna dem perfektionierten Kubastyle angepasst hätte und mit seiner bezaubernden Profipartnerin den Saal mit einer ehrfürchtigen Stimmung füllte, denn sein Salza war dazu prädestiniert, Neider wie Pilze aus dem Boden sprießen zu lassen.
Respekt, Höflichkeit und aufopfernder, absoluter Enthusiasmus an der Sache waren nicht nur auf der Tanzfläche, sondern im freundschaftlichen Umgang , auch im Generationen übergreifenenden Stil, den gesamten Abend lang die Grundlage für einen Ball, der uns auf ewig als ein gelungener, als ein einmaliger in Erinnerung bleiben wird.
An dieser Stelle noch einmal vielen Dank und viele Grüße an Horsti und seine Füße.

 

Felix Tremmel

 

  • loading

Interne Suche:


ODER  UND 

Reingezappt!

Schwimmbad

oder

Badesee?

Umfrage:

Schwimmbad oder Badesee?
Schwimmbad, was sonst!?
Nee, Schwimmbad ist doch Mainstream. Badeseen machen Laune!

insgesamt:

über 8502 Besucher

und 72000 Seitenaufrufe