Gymnasiasten haben ein Recht auf Anerkennung - Ein einseitiger Kommentar

Neulich bei den Vorbereitungen zur Silvesterfete: „Da kannst du dich doch drum kümmern, ihr Schüler habt doch Zeit." Beachtlich. Beachtlich, wieviel Unwissen ein Satz auszusagen vermag. Oder auch Ignoranz. Ignoranz gegenüber dem, was Schüler leisten. Wie? Schüler leisten rein gar nichts, schlafen den halben Tag in der Schule und haben sonst einfach nichts zu tun? So kann man das durchaus sehen. Sollte man aber nicht, denn diese Sichtweise qualifiziert nicht wirklich!Natürlich, es darf nicht pauschalisiert werden. Ein durchschnittlicher Drittklässler wird durch die Schule ebenso wenig gestresst wie ein Sechstklässler der Realschule. Aber darum geht es nicht. Vielmehr muss an dem Bild gearbeitet werden, das ein Großteil der Gesellschaft von jenen Schülern hat, bei denen „andere Leute in deinem Alter schon lang Geld verdienen". Vortrefflich also die Oberstufe der Gymnasien (und Fachoberschulen). Es geht auch nicht darum, die Leistung eines Auszubildenden gleichen Alters schlecht zu reden. Aber es geht um Gerechtigkeit und Anerkennung. Denn häufig hat sich eben jenes erwähnte Bild eingeprägt: Schüler, die den Früh rumsitzend in der Schule, den Nachmittag mit Freizeit und das Wochenende mit Feiern verbringen. Der Blick für die Leistung dieser Schüler fehlt oft gänzlich. Doch diese Leistung wird tatsächlich erbracht. Natürlich nicht von jenen, die Lernen für überflüssig halten und sich mit einem Gerade-So-Abi und einem 3,5-er Schnitt zufrieden geben. Aber das sind bei weitem nicht alle (wenn auch nicht wenige). Doch auch um diese geht es nicht. Es geht um jene Schüler, die zwei Jahre permanent unter Leistungsdruck stehen, da jede Note zum Abitur zählen kann. Um jene Schüler, die pro Halbjahr für mehr als zehn Klausuren den Stoff von Monaten zu lernen haben. Um jene Schüler, die Hausaufgaben gewissenhaft erledigen und als Übung betrachten. Um jene Schüler, die sich zusätzlich dazu noch auf die meisten Stunden vorbereiten, obwohl der Stundenplan den Tag fast ausfüllt (auch Schultage können bis 17.00 Uhr gehen). Jene Schüler also, die begriffen haben, welche außerordentlichen Chancen und Perspektiven ihnen die längere Schulzeit bieten kann. Und wenn diese Schüler dann neben Hobbys und ehrenamtlichem Engagement noch („nebenbei") eine Facharbeit zu schreiben haben, also permanent den Druck des Irgendwas-gibt‘s-schon-noch-zu-machen spüren, ja dann ist es an der Zeit darüber nach zu denken, ob Schüler wirklich soviel Zeit und ein achso entspanntes Leben haben. Zeit zum Nachdenken bietet möglicherweise der freie und entspannte Abend nach der Arbeit.

Tobias Herbst

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