...Oder lassen wir sie so, wie sie ist, dann müssen wir uns nicht auf die Suche nach dem Schalter machen!
Es gibt diese kleinen Wehwehchen, die einem das Leben in seinen glückseligen, friedliebenden Grundfesten zu erschüttern versuchen. Der Wagen ist mitten auf dem Weg
zur lieben, netten, aber vor allem entfernten Verwandtschaft einfach mir nichts, dir nichts stehen geblieben, die letzte Weihnachtsbaumkugel, ohne die selbiger unter einer plumpen, asymmetrischen
Form zu leiden hätte, ist gerade eben in tausend Scherben zerbrochen, und so weiter und so fort.
Im ersten Moment ist unser hochentwickeltes Gehirn mit der absurden Frage konfrontiert, warum gerade einem selbst dieses menschenunwürdige Missgeschick, diese Strafe Gottes, passiert sei.
Wir reden vom gleichen Hirn, das architektonische Wunder wie die Pyramiden oder revolutionäre Erfindungen wie Schnitzel, die im Toaster zugerichtet werden, hervorgebracht hat.
Nach diesem ersten Schock, der vielen den Blutdruck höher steigen und die Toleranzgrenze tiefer fallen lässt, verbringen wir die meiste Zeit damit, unserem Verdruss ein Ventil zu geben. Gleich
einem Pfurze, der uns durch sein Verschwinden Wohlbehagen und Erleichterung verspüren lässt.
Dies äußert sich beim gemeinen Menschen darin, seine, lieben Mitmenschen in unfreundlicheren Tönen die Meinung ins Gesicht zu schreien, Mobiliar und anderen Gegenständen, die von Fortunas
teuflischem Spiel eigentlich verschont wurden, ebenfalls den Garaus zu machen und seine gesammelte Kraft auf eine Eigenschaft zu fokussieren: Unverständnis und abgrundtiefe Wut!
Weshalb reagiert ein Mensch so ungehalten auf ein Radio, das einem am Frühstückstisch nur etwas Gutes tun will und zur Abwechslung mal monotones, beruhigendes Rauschen sanft in die Ohren dieses
Undankbaren strömen lässt?
Zumal man die Ursache dieser stoischen, wenn auch ungewollten Absicht eines solchen menschenliebenden Elektronikgerätes nicht außer Acht lassen sollte. Denn dieser Mann, der wie wild durch seine
Küche rennt und nach mehrmaligem, gutmütigem Zureden noch immer nicht die erhoffte akkustische Besserung in Aussicht gestellt bekommt und dem allen durch einen ästethischen Wurf aus dem Fenster
ein jähes Ende bereitet, dieser Mann verwechselte selbst den Lautstärkeregler mit dem Sendersucher.
Weswegen genießt man nicht einfach das Leben, so wie es kommt?
Man muss nicht alles hinnehmen, immerhin kann man zu einem gewissen Grad das Ausmaß seiner "Strafe" feinjustieren. Oder man gibt sich Mühe, bewahrt einen kühlen Kopf und wartet einfach ab, bis
man am längeren Hebel sitzt oder den richtigen Schalter gefunden hat...
Felix Tremmel
